Nachhaltige Wachstumsrate

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Unternehmensbewertungen erfolgen im Allgemeinen unter der Fortführungsprämisse („going concern“). Hierunter ist eine (unendliche) Fortführung des Unternehmens zu verstehen. Bewertungstechnisch wird diese Annahme über das Modell der „ewigen Rente“ und unter Festlegung einer nachhaltigen Wachstumsrate abgebildet. In Bewertungen nach dem „going concern“-Prinzip gilt die nachhaltige Wachstumsrate als eine der zentralen wertbestimmenden Prämissen, eine sorgsame Festlegung ist daher angezeigt.

Determinanten der nachhaltigen Wachstumsrate

Vorgaben der Geldpolitik, Industrieprognosen und langfristige Wachstumsraten vergleichbarer Unternehmen unter Beachtung der individuellen Sachverhalte des Bewertungsobjekts geben hier erste wesentliche Anhaltspunkte. Für die konkrete Festlegung der nachhaltigen Wachstumsrate sollte der Bewerter aber immer die folgenden Determinanten des nachhaltigen Gewinn-Wachstums beurteilen.

  • Mengenwachstum: Welcher Ausweitung der Absatzmengen kann das Unternehmen langfristig realisieren?
  • Preissetzungsspielraum: Welche Möglichkeiten hat das Unternehmen, eine autonome Preispolitik zu betreiben und Kostensatzsteigerungen an seine Kunden weiterzugehen?
  • Produktions-Effizienz: Wie kann das Unternehmen langfristig das Verhältnis zwischen eingesetzten Produktionsfaktoren und verkaufter Menge gestalten

Das Wachstum des Gewinns ist das Ergebnis aller dieser Determinanten und kann sich daher aus allen oder nur aus einzelnen dieser Determinanten speisen. Eine negative Entwicklung einzelner Effekte kann dabei durch andere kompensiert werden, wie nachfolgend skizziert wird.

 

Perspektive: kurz- und mittelfristig vs. langfristig

Kurzfristig werden alle drei Einflussfaktoren stark vom gegenwärtigen Zustand des Unternehmens bestimmt sowie den unmittelbaren Handlungsoptionen des Managements. Mittelfristig gewinnt die strategische Einflussnahme des Managements an Bedeutung, sei es durch Investitionsentscheidungen, Änderungen in der Vertriebsstrategie oder durch Produktneuentwicklungen. Sowohl kurz- als auch mittelfristige Maßnahmen sind aber regelmäßig bereits in der Detailplanungsphase abgebildet und daher weniger Gegenstand bei der Festlegung der nachhaltigen Wachstumsrate.

Langfristig werden die Determinanten des nachhaltigen Wachstums im Allgemeinen durch den Markt, in dem das Unternehmen tätig ist und die Wettbewerbsstruktur beeinflusst. In jungen Märkten besteht häufig Spielraum für eine Geschäftsausweitung und aggressive Preispolitik. Steigende Einkaufspreise können in der Regel weitergereicht werden, die Produktionseffizienz ist noch kein zentraler Aspekt in der Unternehmenssteuerung. In reiferen Märkten ist das Mengenwachstum häufig nur noch zu lasten der Wettbewerber möglich und wird häufig durch eine vorsichtigere Preispolitik begleitet. Die Wettbewerbsstrukturen sind zumeist gefestigt, die Produktionseffizienz ist hier häufig der zentrale Erfolgsfaktor.

 

Festlegung der nachhaltigen Wachstumsrate

Bewusst oder unbewusst, die Festlegung der nachhaltigen Wachstumsrate umfasst immer eine Positionierung des Bewerters zum nachhaltigen Mengenwachstum, zum Preissetzungsspielraum und zur Steigerung der Produktionseffizienz des Bewertungsobjekts. Ist dem Bewerter eine Festlegung aufgrund fehlender Marktdaten nicht ohne weiteres möglich, empfiehlt es sich immer, eine möglichst neutrale Position einzunehmen.

Diese kann darin bestehen, kein Mengenwachstum und keine Steigerung der Produktionseffizienz anzunehmen. Es empfiehlt sich dann ebenfalls, von einem durchschnittlichen Preissetzungsspielraum auszugehen. Ein guter Indikator unter diesen Annahmen ist die allgemeine Inflationserwartung. Hier besteht per se keinerlei Mengen-Effekt und der implizite Preiseffekt liegt in der „Mitte der Volkswirtschaft“.

 

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